Verkehrswende

Wenn ich in Berlin unterwegs bin, ärgere ich mich oft über Verzögerungen im Nahverkehr: Die S-Bahn ist wegen einer Störung im Betriebsablauf unterbrochen. Die U-Bahn fährt wegen eines Polizeieinsatzes unregelmäßig. Der Bus fällt aus; dafür gibt es keine Begründung.

Das passiert den meisten Menschen in der Prignitz nicht. In ihrem Dorf fährt keine Bahn und der Bus oft nur für den Schülerverkehr. Aber das ärgert die Menschen in den Dörfern nicht, sie fahren mit dem Auto. Damit sich künftig immer weniger Menschen ärgern müssen, wurden in den letzten Jahrzehnten viele Bahnstrecken stillgelegt:

1945 von Wittenberge nach Dömitz, 1948 von Viesecke nach Kreuzweg, 1967 von Wittstock – Meyenburg und von Lindenberg nach Glöwen, 1968 von Berge nach Putlitz, 1969 von Perleberg nach Kyritz und von Lindenberg nach Pritzwalk, 1971 von Glöwen nach Havelberg, 1975 von Perleberg nach Berge, 1980 von Putlitz nach Porep, 1998 von Wittstock nach Mirow, 2000 von Meyenburg nach Karow und 2006 von Neustadt nach Neuruppin. 

Inzwischen setzt aber ein Umdenken ein. Die Zahl derer, die in der Prignitz eine „Verkehrswende“ anstreben, wächst. Sie sagen: „Die Mobilität auf dem Land muss nicht nur verbessert werden, sondern es muss auch etwas zur Eindämmung des Klimawandels getan werden.“

Allerdings klebt man sich in der Prignitz nicht auf die Straße oder beschädigt Kunstwerke, sondern man redet miteinander, Politik und Wirtschaft, Künstler und Fachleute, Schüler und Lehrer, Dorfbewohner und Minister, bei Abendbrotgesprächen und in Workshops. Die „Streckenthiner Kreise“ sind für solche Gespräche ein guter Ort. Was dort bedacht wird, zieht dann dort seine Kreise, woher die Gesprächsteilnehmer kommen, in der Familie und im Dorf, in den Kommunen und im Landkreis, in Politik, Wirtschaft und Kirche.

Einen kleinen Erfolg konnten die Menschen in der Prignitz schon erzielen: Die Stilllegung der Strecken von Kyritz nach Pritzwalk und von Pritzwalk nach Meyenburg wurde zunächst verhindert.


Das „Streckenthiner Papier“ mit den Anregungen zur künftigen Mobilität findet sich hier.

Bild Isabell Mietzsch


 

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