Tagebuch der Übersiedlung

Dževad Karahasan wurde 1953 in Duvno geboren. Die Mutter war gläubige Muslima, der Vater bekennender Kommunist. Er selbst lernt neben dem Besuch des Gymnasiums bei einem Franziskanerpater Griechisch und Latein. 1972 kommt er nach Sarajvo und studiert dort Literatur- und Theaterwissenschaft. Seit 1986 ist er Dozent an der Akademie für szenische Künste Sarajevo. Die Belagerung weiterlesen…

Kirchen verschenken Kunstschätze

„Fast alle Zeugnisse mittelalterlicher Kunst in der Prignitz, die bis heute erhalten blieben, stammen aus Kirchen“1, etliche befinden sich jedoch nicht mehr in den Kirchen. Wo sind sie geblieben? Als nach 1865 die Verwaltung der Stadt Berlin in das neu gebaute Rathaus zog, wurde in den bisherigen Amtstuben und deren Archiven Inventur gemacht. Viele Dinge wurden weiterlesen…

Kleine weiße Friedenstaube

Sie muss aus ihrer Heimat vor dem Krieg fliehen. Es ist für sie eine Flucht ohne Heimkehr.  1926 wurde Erika Schirmer im damaligen Polnisch-Nettkow (heute Nietków) an der Oder in Schlesien geboren. Im Winter 1945 flieht sie mit ihrer Mutter. Der von Deutschland ausgegangene Krieg ist an seinen Ursprung zurückgekehrt. Erika Schirmer beschreibt es so:  weiterlesen…

Vor den Vätern sterben die Söhne

„Es müßte, für eine besondere Art des Rezensierens, auch im Feuilleton eine Rubrik namens ‚Wiedergelesen‘ eingeführt werden. Doch Literaturkritik im Feuilleton ist in der Eile des Geschäfts aufs Aktuelle getrimmt, da bleibt kaum Platz für eine wiedergängerische Lektüre. Alte Bücher sind zwar keine abgelebten, aber sie sind unwiederbringlich vergangen und haben für die tagesaktuelle Literaturkritik weiterlesen…

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin

Thomas Brasch wäre heute 77 Jahre alt geworden. Geboren wurde er im britischen Westow als erster Sohn eines jüdischen Emigrantenehepaares. Die Eltern, sie aus Wien stammende Jüdin, er jüdischer Katholik, waren Kommunisten. 1945 gingen sie in die sowjetisch besetzte Zone. Der Vater machte Karriere als Kulturfunktionär. Die Mutter musste ihre künstlerischen Träume begraben.  Thomas wurde auf weiterlesen…

Vorsichtige Annäherung

Wer sich Quedlinburg von Westen nähert, trifft zuerst auf einen Berg, der schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Ein Poet unserer Tage lässt einen der damaligen Bewohner zu Wort kommen: „Von diesem Berg habe ich geduckt unter Büschen nach meinem Feind geguckt, und stieg er hinauf, hab’ ich mit Geheule ihn niedergemacht mit meiner Keule.“1 weiterlesen…

Unorthodox

Deborah Feldman wurde 1986 geboren und wuchs in der ultraorthodoxen, chassidischen Gemeinde der Satmarer im New Yorker Stadtteil Williamsburg auf.  Der Holocaust, so lehren die Satmarer Rabbiner, ist die Strafe Gottes für die Assimilation der Juden. Nur das Leben nach den Gesetzen ist gottgefällig und kann einen neuen Holocaust verhindern. Die Gründung des Staates Israel weiterlesen…

Neujahrswunsch des Aristoteles

  „Jede Kunst und jede Lehre, desgleichen jede Handlung und jeder Entschluss scheint ein Gut zu erstreben, weshalb man das Gute treffend als dasjenige bezeichnet hat, wonach alles strebt.“1 Alle Künste und Handlungen zielen auf die ‚eudaimonia‘, was oft mit „Glückseligkeit“ übersetzt wird. Dabei meint ‚eudaimonia‘ aber viel mehr: die Wohlgeordnetheit aller Lebensbezüge, der Verhältnis weiterlesen…

Die Liebe zu den Kindern und Nebenmenschen verpflichtet uns

Am 26. Januar 1806 predigte Pfarrer Rulemann Friedrich Eylert in Hamm.  Zu jener Zeit litten die Menschen in Europa unter der Pocken-Pandemie. Eine wirksame Therapie gab es nicht, bis zu einem Drittel der Infizierten starb. Wer die Krankheit überlebte, war oft mit von Narben entstelltem Gesicht, Blindheit, Taubheit oder geistiger Verwirrung geschlagen. Besonders hart trifft weiterlesen…

Ein Bischof in Blüthen?

Ein Zwischenbericht von der Suche nach einem Grab Der Lübecker Bischof Balthasar von Rantzau hat „Neun tag krank gelegen und [ist] daruff balde In gott verstorben, Er hete aberzuvor stets einen priester bey sich gehabt, dem er gebichtett und von Ime das hochwirtige Sacrament Inn zweyer gestalde empfangen, … und were fein sitig Inn stille weiterlesen…