Dorfkirche im Sommer

Friedrich Adolf Axel Freiherr von Liliencron wurde 1844 geboren. Sein Adel bedeutete jedoch keine finanzielle Sicherheit; sein Großvater hatte eine Leibeigene geheiratet und war enterbt worden. 

Also versuchte sich Liliencron ab 1863 als Soldat. Er kämpfte in den Kriegen 1866 gegen Österreich und 1870/71 gegen Frankreich und musste schließlich 1875 wegen seiner Schulden den Abschied nehmen. Danach versuchte er sich kurze Zeit in Amerika, kehrte zurück und wurde preußischer Beamter. 1886 beendeten erneut seine Schulden diesen Dienst.

Fortan suchte er sein Auskommen als Schriftsteller. Seither nannte er sich Detlev von Liliencron. Er versuchte sich mit Lyrik, mit einem Roman, mit Novellen, Erzählungen und Dramen. Seine finanzielle Lage blieb prekär, auch wenn er nach und nach Erfolg mit seinem literarischen Handwerk hatte. Erst am Ende seines Lebens, dank der Unterstützung durch Elisabeth Förster-Nietzsche und eine Ehrenpension von Kaiser Wilhelm II. besserte sich seine Lage. 1909 starb er.


Detlev von Liliencron (1844 – 1909)
Dorfkirche im Sommer
Gedicht zum 3. Juli

Schläfrig singt der Küster vor,
Schläfrig singt auch die Gemeinde,
Auf der Kanzel der Pastor
Betet still für seine Feinde.

Dann die Predigt, wunderbar,
Eine Predigt ohne Gleichen.
Die Baronin weint sogar
Im Gestühl, dem wappenreichen.

Amen, Segen, Thüren weit,
Orgelton und letzter Psalter.
Durch die Sommerherrlichkeit
Schwirren Schwalben, flattern Falter.


Text aus: Detlev von Liliencron, Adjutantenritte und andere Gedichte, 1883, 45.


 

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