Quem pastores laudavere

Eines der ältesten Aktenstücke des Perleberger Pfarrarchivs ist ein Notenblatt für den Quempas von 1543. Eine noch ältere Tradition der Perleberger St. Jakobi-Kirche ist die Christmette am 1. Weihnachtstag, in der dieser Quempas gesungen wird. Die Tradition reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Nach einer ganz eigenen Melodie wird der Quempas von vier Chören von den Emporen gesungen, jede Strophen zunächst auf lateinisch und dann auf deutsch. Die Gemeinde antwortet mit dem Resonet in laudibus, ebenso mit eigener Melodie und als Antwort auf den Quempas nur in Perleberg gebräuchlich. Zum Gesang wird ein stummes Krippenspiel aufgeführt: Maria und Josef kommen zum Stall, sechs Hirten und die drei Weisen treten hinzu. Alle knien nacheinander vor der Krippe nieder und die Weisen legen ihre Geschenke ab.

Auch zu DDR-Zeiten wurde diese Tradition nicht unterbrochen. Die Regierenden erteilten sogar die Druckerlaubnis für die Liedblätter. In früherer Zeit, am Beginn des 19. Jahrhunderts, griff die Obrigkeit allerdings doch einmal ein: Damals war die Christmette noch um ein Uhr nachts. Weil sich viele die Zeit bis dahin in den Gasthäusern vertrieben, kam manche recht angeheitert in die Kirche. Das sollte nicht sein. Damit die Gasthausgänger ein paar Stunden ausnüchtern konnten, wurde der Beginn der Christmette auf sechs Uhr am Morgen verlegt.

Um diese Zeit ist sie noch heute. Trotz der frühen Stunde ist die Kirche mit 700 Menschen bis auf den letzten Platz besetzt. Teilweise kommen sie aus Berlin oder Hamburg, um die Christmette mit dem Quempas nicht zu verpassen.


Bild Evangelischer Kirchenkreis Prignitz


2 thoughts on “Quem pastores laudavere”

  1. Sehr spannend wahrzunehmen, dass nicht nur die Heilige Nacht der Christgeburt sondern auch der Heilige Ostermorgen eine besondere Anziehungskraft haben! So ist der frisch geborene Jesus und der auferstandene Christus im Blick. Kann man doch mal so sehen oder?

  2. Ja, so kann man es sehen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde bei der letzten Strophe des Quempas zuletzt auch das Kreuz hinter der Krippe aufgerichtet. Seine besondere Tradition hat der Perleberger Quempas aber wohl darin, das es in früheren Zeiten bis zu 19. Jahrhundert eine faschingsähnliche Gaudi war … dazu demnächst mehr an dieser Stelle.

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