Warum gehen wir

Am Ende des Marktplatzes im nördlichen Brandenburg steht am Ufer der Stepenitz ein nicht ganz kleines Fachwerkhaus. Zum Kirchplatz hin misst es 10 zu 15 Meter. Das hohe Dach überdeckt drei Geschosse: unter dem Dach drei Gästezimmer, in der Mitte Wohnküche und Wohnzimmer, Schlafraum und zwei Arbeitszimmer, dazu eine große Terrasse, unten die Räume der Superintendentur.

Durch einen Bogen hindurch, über ein paar Stufen hinauf, betritt man das Haus. Noch ein Geschoss im geräumigen Treppenhaus hinauf, dann links durch die Wohnungstür, am Ende des winkligen Flurs: mein Phrontisterion.

Vom Fenster schweift der Blick über mächtige Bäume, bleibt an einer alten Mauer hängen, dahinter geht es hinab zur Stepenitz. Aus den Räumen auf der anderen Seite schaue ich auf den Kirchplatz mit der wuchtigen Kirche, dahinter der Markt mit dem mittelalterlichen Rathaus, umgeben von Stadthäusern mit ihren Giebeln hin zum Platz.

Vom Markt hinweg ziehen sich enge Gassen bis hin zu dem kleinen Flüsschen, das die Altstadt zur Insel macht. Über allem steht der weite Prignitzer Himmel, in dessen hellem Raum der Brandenburger Adler schwebt. Das wird meine Lebens- und Arbeitswelt – gesehen mit den betrachtenden Augen des Touristen und des künftigen Bewohners.

Die Weite der Landschaft und der Nebel, der sich oft über sie legt, das bedächtige Wachsen der Wälder, das leuchtende Gelb des Raps, das stille Fließen der Flüsse und Fließe, die kaum unterbrochenen Flächen, auf denen der Schnee liegt. Alls das konnte ich schon wahrnehmen bei wenige Besuchen … wird fortgesetzt …


Der Text wurde angeregt von: Martin Heidegger, Schöpferische Landschaft: Warum bleiben wir in der Provinz? [1933], in: Aus der Erfahrung des Denkens, Gesamtausgabe; Bd. 13, 1983, 9-13.


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