Gelesen: Am Strand

„Sie waren jung, gebildet und in ihrer Hochzeitsnacht beide noch unerfahren, auch lebten sie in einer Zeit, in der Gespräche über sexuelle Probleme schlicht unmöglich waren.“ [7]

Florence und Edward liebten sich in all ihrer Verschiedenheit. Sie war eine hoffnungsvolle Violinistin, die mit ihrem Streichquartett höchste Ziele erreichen will, er Historiker, der alle Kaiser und Päpste kannte und Bücher über tragische Randfiguren der Geschichte schreiben wollte. Sie stammte aus einem gebildeten und vermögenden Elternhaus, seine Mutter hatte seit einem Unfall einen Hirnschaden und sein Vater konnte das Chaos im Haushalt nicht bändigen. Sie liebte klassische Musik, er Rock‘n Roll.

Gemeinsam war ihnen die Angst vor der Hochzeitsnacht. Sie empfand Unbehagen davor, dass er sie „da unten“ berührt oder gar in sie eindringt, mit der Zunge in ihren Mund oder sie gar mit mit seinem Penis penetriert – so wie sie in einem Ratgeber gelesen hatte. Er fürchtete sich davor zu versagen, auch wenn er extra eine Woche lang auf die „Selbstverwöhnung“ verzichtet hatte.

Die Ehe endete in der Hochzeitsnacht: „Florence war stolz darauf, im richtigen Moment daran gedacht zu haben, daß ihr rotes Handbuch erklärte, es sei der Braut durchaus gestattet, den Mann ‚in sich einzuführen‘.“ [132] Aber bei Edward löste es aus, dass er über ihr ergoss. „Es war eine Katastrophe, und sie wußte es sofort“ [134]. Sie sprang aus dem Bett und floh an den Strand. Er folgte ihr. Ein hilfreiches Gespräch wollte nicht gelingen. Florence ging schließlich  fort, „bis sie nur noch ein verschwommener, kleiner Punkt auf dem ungeheuer langen, schnurgeraden im fahlen Licht schimmernden Kieselstreifen war“ [207].


selber lesen
Ian McEwan, Am Strand, 2008 [Original: On Chesil Beach, 2007].


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