Dorf macht Oper

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde … und auf die Erde baute der Mensch einen Schweinestall. Und der Schweinestall war – nach dem Ende der LPG – wüst und leer und Finsternis lag über den Futtertrögen. Aber der Geist der Kunst schwebte über diesem Ort.

Und einer sprach: Es werde Oper! Und es ward Oper. Und man sah, dass die Oper gut war. Da ward 2005 „Der Freischütz“. Es folgte „Romeo und Julia“ und „Ein Sommernachtstraum“. Und alles war sehr gut. Und so ging es weiter jedes Jahr bis auf den heutigen Tag.

Und in diesem Jahr sprach einer: Lasset uns etwas über die Schöpfung machen. Ein Joseph Haydn hatte es schon 1798 in Wien zur Aufführung gebracht. In diesem Jahr nun war es in Klein Leppin zu hören.

Der Ort liegt sechs Kilometer von Glöwen entfernt, das wiederum an der Regionalbahn zwischen Berlin und Wittenberge liegt. Nur sechzig Einwohner hat das Dorf. Einst arbeiteten 184 Beschäftigte in der LPG, jetzt ist ungefähr die gleiche Zahl bei „Dorf mach Oper“ engagiert, ein gemischtes Team aus Dorfbewohnern und professionellen Künstlern, aus allen Generationen vom Kind bis zum Großvater. Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und Solisten aus der Prignitz und Berlin machen mit. Aber die Hauptrolle spielen die Dorfbewohner aus Klein Leppin und aus vielen anderen Orten der Prignitz.

In diesem Jahr kam eine szenische Adaption von der „Schöpfung“ zur Aufführung. Während das Oratorium von Haydn vor allem die Schöpfung feiert und vom Glück im Paradies erzählt, brechen die aktuellen Bedrohungen der Schöpfung in die Aufführung in Leppin ein: Die Engel betreten mit Coffee-to-go-Bechern die Bühne, am Ende versucht einer vergeblich, die achtlos weggeworfenen Becher wieder einzusammeln. Das ganze ist ein Show, die von Nummer zu Nummer sich immer mehr zu steigern sucht und in der schließlich alle vor Kälte erstarren und die Kinder sich frierend mittendrin bewegen. Weiter so geht es nicht und die Feststellung „Und alles war sehr gut“ wird zumindest zur Frage, wenn der Mensch die Bühne betritt.

So wurden vollendet Himmel und Erde … und die Aufführung im Schweinestall. Und dann, dann gibt es einen endlosen Applaus und dann wird geruht von all den Mühen … bis zum nächsten Jahr.


www.dorf-macht-oper.de


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.