Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Am 10. Februar 1970 fliegt die israelische Schauspielerin Channa Maron nach London. Sie möchte für eine Rolle in „Anatevka“ vorsprechen. Bei einer Zwischenlandung in München dringen palästinensische Terroristen in den Transitraum ein und werfen eine Handgranate. Channa Maron wird schwer verletzt und verliert ein Bein. 

Ein Jahr später steht wieder auf der Bühne und spielt die Medea, jene Frau, die aus Rache an ihrem treulosen Mann ihre gemeinsamen Kinder umbringt. Aber Channa Maron interpretiert die Rolle der Medea ganz neu. Aus der Frau, die in der antiken Erzählung zunächst aus Liebe und dann aus Hass zur Mörderin wird, wird für sie eine Rolle, die ihren ganzen Hass auf alle Gewalt, allen Fanatismus, alles Blutvergießen ausdrückt.

Auch neben der Bühne engagiert sich Channa Maron für den Frieden, für eine Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis, gegen Terror und Besetzung. Am 4. November 1995 steht sie neben Jitzchak Rabin und Schimon Perez bei der großen Friedensdemonstration in Tel Aviv auf der Bühne. Es ist der Tag, an dem Jitzchak Rabin von einem rechtsextremen Studenten ermordet wird. Channa Maron aber gibt ihren Einsatz für den Frieden nicht auf – ihr politisches Engagement wird noch stärker … und noch mit 87 Jahren steht sie – als älteste aktive Schauspielerin der Welt – auf der Bühne.

Begonnen hatte ihre Karriere im Alter von vier Jahren. Ihre erste Bühnenrolle war der „Däumling“. Später spielte in mehren Filmen – unter anderem in Fritz Langs „M“ – und Theaterstücken – unter anderem als „Pünktchen“ in Erich Kästers „Pünktchen und Anton“ am Deutschen Theater. Damals hieß sie noch Hanna Meierzak.

Als sie neun Jahre alt war, kamen in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht. Ihr Vater erkannte schnell, welche Gefahr damit für die jüdische Familie verbunden war. Hanna ging mit ihrer Mutter nach Paris und zwei Jahre später kam die Familie nach Tel Aviv. Nach der Schule besuchte sie die Habimah Acting School. Am Habimah Theater spielte sie auch ihre ersten großen Rollen. 

Inzwischen war der Krieg schon bis Tobruk gekommen. Was würde sein, wenn die Deutschen weiter vordrängen? Channa ging zur britischen Armee. Als Sekretärin kam sie nach Kairo. Mitte 1944 wurde sie wieder Schauspielerin – im Unterhaltungskorps der jüdischen Brigade. Sie trat vor verwundeten Soldaten auf. Das beliebteste Lied war „Alle Wege führen nach Rom“. Es endet mit der Verheißung „alle Wege führen nach Eretz Israel, wir werden uns dort troffen, in Eretz Israel“. Als sie es später vor Überlebenden der Shoa sang, bekam das noch einmal einen ganz anderen Klang.

Nach Kriegsende trat Channa Maron in das neu gegründete Cameri Theater ein. Da war sie schon eine bekannte und erfolgreiche Schauspielerin. 

Am 10. Februar 1970 fliegt sie mitten in den Proben für „Medea“ nach London …

David Polonsky  und Barbara Yelin haben je zehn Episoden aus dem Leben Channa Marons als Plakate entworfen. Barbara Yelins Plakate erzählen als Graphic Novel einzelne Kapitel aus dem Leben der Künstlerin. David Polonskys Aquarelle bebildern Zitate und Stationen ihres Lebens. 

Bis zum 22. September sind sie in einer Ausstellung im Perleberger Judenhof zu sehen.


zum nachlesen
Barbara Yelin | David Polonsky, Vor allem eins: Dir selbst sei treu. Die Schauspielerin Channa Maron, 2016

mehr zur Ausstellung des Goethe-Instituts Israel mit allen Plakaten
www.goethe.de/ins/il/de/kul/sup/vae.html

zum Judenhof Perleberg
www.facebook.com/PerlebergerJudenhof


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