Hinrichtung in Perleberg?

Johann Christian Braun kaufte 1827 von Heinrich Dohrmann dessen Hof in Wulckow [heute: Wulkau], südlich von Havelberg. Dohrmann zog ins Altenteil und beide lebten in Eintracht miteinander. Irgendwann begann Braun jedoch alle möglichen Prozesse durch alle möglichen Instanzen zu führen. Statt sich um den Hof zu kümmern hielt er sich bei Anwälten und bei Gericht auf und gab sich der Trunksucht hin. Schließlich war er so verschuldet, dass sein Hof versteigert wurde. 

Die Schuld an seinem Ergehen gab er vor allem dem früherem Besitzer seines Hofes Dohrmann, der mit die Zwangsversteigerung betrieben hatte. Er beschimpfte ihn und drohte, ihn umzubringen.

Am 17. Juli 1849 wurde Dohrmann erschossen. Man fand ihn bei seinem Bienenstock außerhalb des Ortes. Der Verdacht, ihn ermordet zu haben, fiel sofort auf Braun. Am 26. November 1849 wurde er schuldig gesprochen und zum Tod durch das Beil verurteilt. Die Gründe, die zu dem Urteil führten, werden nicht genannt.

Am 12. Oktober 1850, knapp ein Jahr nach dem Schuldspruch wird er in Perleberg hingerichtet. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Preußen.1

In Perleberg kennt man die Geschichte auch anders.2

Wegen Mordes wurde nicht Johann Christian Braun aus Wulckow am 12. Oktober 1850 durch das Beil hingerichtet sondern Peter Braun aus Groß Buchholz – nach mancher Überlieferung starb er am Galgen. Zudem war es ein Justizirrtum. Auf dem Sterbebett gestand sein Bruder, dass er der Mörder war.

Die Hinrichtung ließ sich nicht mehr rückgängig machen. Aber der unschuldig hingerichtete bekam ein Ehrengrab auf dem Weinberg mit Blick auf seinen Heimatort. Wo sein wirkliches Grab ist, weiß man nicht. Die Stadt verpflichtete sich, das Grab auf Dauer zu pflegen, was sie auch bis heute mehr oder weniger tut. 2011 wurde die Tafel am Grab erneuert. 

So gibt es nun also zwei Geschichten um die letzte öffentliche Hinrichtung in Perleberg und Preußen. Welche aber ist die richtige?


1 Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, 1850, 364 [Auszug aus der Quelle hier] | siehe auch: Wolfram Hennigs, War Peter Braun unschuldig?, in: Perleberger Pitaval. Teil 1 Historische Kriminalfälle aus dem 19. Jahrhundert. Perleberger Hefte 13, 2016. 8.9.

2 siehe: Doris Ritzka, Busfahrt in die Stadtgeschichte, in: Schweriner Volkszeitung vom 8.12.2010, 14 [Prignitz], www.svz.de/14481091 [31.5.2019] | Kultstätte unzugänglich, Schweriner Volkszeitung vom 8.12.2010, 14. Michael Beeskow, Zugang wird gefordert. Perleberger Kulturausschuss befasst sich im Januar mit dem Galgenberg , in: Märkische Allgemeine vom 15.12.2010, PRI2 [Lokalteil Prignitz] | Bernd Briese, Neue Tafel am Ehrengrab von Peter Braun, in: Der Prignitzer vom 2.3.2012. [Auszug aus den Quellen hier]

Bild www.wikipedia.org


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