In vinum theologia

„Gleich wie Leben ist Wein für die Menschen, wenn du ihn maßvoll trinkst. Was ist das Leben, wenn der Wein fehlt? Er ist geschaffen zur Heiterkeit des Menschen. Fröhlichkeit des Herzens und Heiterkeit der Seele bringt der Wein, zur rechten Zeit und maßvoll getrunken.“1

So wusste schon Jesus Sirach (Anfang 2. Jahrhundert vor Christus) und nach ihm Carl Michael Bellman (1740 – 1795). Ob Jesus Sirach seine Weisheit auch gelebt hat, kann man nur spekulieren. Von Bellmann aber weiß man, dass er sich gerne in der Schankwirtschaft aufhielt und dem Wein und der Liebe sehr zugetan war. Aus dem Stegreif konnte dichten, was er – wohl häufig in Verbindung mit dem Wein – auch reichlich tat. Rund 1800 Texte sind überliefert, wahrscheinlich nur ein Teil seiner Kreativität.

„Vater Noah, Vater Noah
war ein Ehrenmann.
Kaum der Arch’ entstiegen,
fing er an zu pflügen,
pflanzte Reben, pflanzte Reben.
Ja, so fing es an.

Noah rudert’, Noah rudert’
aus der alten Arch’,
kaufte sich Boutellen,
die man kann bestellen,
um zu trinken, um zu trinken,
hier bei uns im Park.

Er wohl wusste, er wohl wusste,
daß die Menschen sei’n
durstig von Natur aus
wie all Kreatur auch.
Darum hat er, darum hat er
angepflanzt den Wein.

Mutter Noah, Mutter Noah
war ’ne Ehrenfrau,
gab dem Mann sein Säftchen.
Hätt’ ich so ein Mädchen,
führte ich sie, führte ich sie
zum Altar als Braut.

Niemals sprach sie, niemals sprach sie:
Lieber Mann, na, na,
weg mit den Karaffen!
Nein, den einen Affen
nach dem andern, nach dem andern
gönnte sie ihm, ja!

Vater Noah, Vater Noah
hatte eignes Haar,
Spitzbart, Kinn gar mächtig,
Wangen rot und prächtig,
trank zum Grunde, trank zum Grunde,
prosit und hurra!

Da war’s lustig, da war’s lustig,
auf der grünen Erd’.
Man bekam das Beste,
keine durst’gen Gäste
saßen glotzend, saßen glotzend,
je bei Tisch und Herd.

Und kein Trinkspruch, und kein Trinkspruch
machte da Beschwer,
es gab nicht die Lehre:
Ich habe die Ehre!
Nein, zum Grunde, nein, zum Grunde,
trank man aus – seht her!“2

Hannes Wader singt Bellmans Lied „So trolln wir uns“

1 Sirach 31,27 [32-35]

2 Carl Michael Bellman, Fredmans Sång [Übersetzung Klaus-Rüdiger Utschick]

Bild Per Krafft der Ältere (1724 – 1793), Carl Michael Bellman (1779) [Detail]


2 thoughts on “In vinum theologia”

  1. Ich kenne das Lied (“So trolln wir uns”) von Hannes Wader schon lange, dass der Text von C. M. Bellman ist und wer Bellman war habe ich durch Deinen Text erfahren.
    Macht auf jeden Fall Lust mal mehr von Bellman zu lesen.

    Danke Peter

    1. Von Bellmann ist im deutschsprachigen Raum mehr zu hören, selbst lesen geht aber auch, beispielsweise hier:

      Carl Michael Bellman, Fredmans Episteln. Auf der Grundlage alter Übertragungen im Versmaß des Originals nachgedichtet und mit der Originalmusik von 1790 herausgegeben, 2013.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.