Wassergrundstücke zu verschenken 

Ruhig, am Stadtrand gelegen und direkt am Ufer der Stepenitz – so ein Grundstück bekommen die geschenkt, die nach Perleberg zu ziehen. Auch um die Wohnung müssen sie sich nicht sorgen, je nach Wunsch bekommen sie zudem ein Einfamilienhaus oder eine Doppelhaushälfte geschenkt. Obendrein müssen sie zehn Jahre keine Steuern zahlen.

Nur die Perleberger sind nicht begeistert. Neue Nachbarn neben ihren eigenen Grundstücken wollen sie nicht. Zudem würde ein Weg überbaut und sie hätten dann einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Außerdem: Wer weiß, was die Fremden für Sitten mitbringen, möglicherweise ist die eigene Kultur gefährdet. Auch die Kirche ist nicht begeistert, denn das Land, das jetzt verschenkt werden soll, gehört ihr und sie hat daraus immerhin einige Einnahmen erhalten. Ohne Entschädigung kann man sie nicht so einfach enteignen.

Die Perleberger sind sich einig: Wenn sie schon Fremde aufnehmen müssen, dann weit draußen vor der Stadt. Dort gab es einst einen Weinberg. Wein wächst dort schon lange nicht mehr. Aber wenn sich die Fremden als Weinbauern versuchen möchten …

Doch Friedrich II. setzt sich durch. Die Stadt kann sich seinem Wunsch nicht mehr entziehen. Wie überall im Land sollen auch in Perleberg Kolonisten angesiedelt werden. Den Streit um den Weg und die Finanzen der Kirche regelt er eigenhändig. 1777 steht das erste Kolonistenhaus auf der Sperlingswörde. In den folgenden Jahren kommen noch fünf weitere hinzu. 

Für damalige Wohnverhältnisse waren sie viel komfortabler als vergleichbarer Wohnraum in Berlin. Während in der Stadt oft nur ein Raum für die ganze Familie zur Verfügung stand, gab es in den Kolonistenhäusern immerhin Stube, Küche und Kammer, auch das Dachgeschoss konnte noch genutzt werden. Die Kinder mussten auch nicht im engen Hinterhof spielen sondern hatten auf dem großen Grundstück, das zugleich die Familie ernährte, und in der Umgebung viel Platz. 

Heute werden die Grundstücke zwar nicht mehr verschenkt, aber bei Preisen von 31 Euro pro Quadratmeter scheint es für den Städter wohl nicht viel anders zu sein. Bloß Steuerbefreiung gibt es nicht mehr.

Ungefähre Lage der Kolonie und ihrer Grundstücke


Beim Bild oben musste ich schummeln, denn leider gibt es die Kolonistenhäuser in Perleberg bis auf wenige Reste nicht mehr. Hier ist das Kolonisten-Kaffee in Neulietzegöricke zu sehen.

Bilder www.twitter.com/nachbrandenburg 18.8.2016 7.29 Uhr |  www.openstreetmap.de bearbeitet


 

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