
Bild Giuseppe Rava (* 1963), L’esercito crociato [Die Kreuzritterarmee]
Das Gemetzel begann gegen Mittag. Von allen Seiten rückten die Angreifer vor. Vor sich die wuchtigen Verteidigungsanlagen der Stadt. Lange hatte es gebraucht, bis es so weit war. Aber jetzt lag die Stadt, lag der Sieg, lag ihr Ziel unmittelbar vor Augen.
Der erste Belagerungsturm erreichte die Stadtmauer. Die erste Ritter kletterten auf die Mauerkrone, sprangen auf der anderen Seite herab. Das war der Anfang vom Ende der muslimischen Verteidiger Jerusalems. Was kurz darauf passierte, beschrieben Augenzeugen:
„In die Stadt eingedrungen, verfolgten unserer Pilger die Sarazenen bis zum Tempel des Salomo, wo sie den Unsrigen den wütendsten Kampf lieferten, so dass der ganze Tempel von ihrem Blut überrieselt war. Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden geschlagen hatten, ergriffen sie im Tempel eine große Zahl Männer und Frauen und töteten oder ließen leben, wie es ihnen gut schien.“1Gesta Francorum et aliorum hierosolimitanorum [Die Taten der Franken und anderer, die nach Jerusalem gingen], um 1100, 10,39 [siehe https://www.manfredhiebl.de/Gesta-Francorum/gesta-francorum.htm.]
Das Massaker im Jahr 1099 war der Höhepunkt des ersten Kreuzzugs und der Auftakt zu einem der mörderischsten Kapitel der Kirchengeschichte. Der Papst hatte zum Heiligen Krieg aufgerufen. Nicht schwer fiel es, das Gemetzel zu begründen. Papst Urban II. lieferte auf der Synode von Clermont 1095 die Vorlage:
„Sie haben die Christen beschnitten und das Blut von der Beschneidung vergossen oder es in die Taufbecken geschüttet. Und sie schneiden denjenigen die Bäuche auf, die sie mit einem schrecklichen Tod quälen wollen.“2Robertus Monachus (um 1055 – 1122), Historia Hierosolymitanaum, um 1115. Dann beschwor der Papst die Christenheit, „dieses gemeine Gezücht“ zum Teufel zu jagen. Zur Belohnung versprach er allen, „die dort hinunterziehen““, dass ihnen „ihre Sünden vergeben werden“. Die Anwesenden brüllten „Deus vult“.
1099, dreieinhalb Jahre nach dem Aufruf des Papstes, sahen die Christen Jerusalems Kuppeln vor sich liegen – und die wuchtigen Verteidigungsanlagen der Stadt. Von den 90.000 Männern, die in Europa aufgebrochen waren, hatten es nur 20.000 bis hierher geschafft.
Der Mann, der das Ganze angezettelt hatte, erfuhr von all dem nichts mehr: Papst Urban II. war zwei Wochen nach der Eroberung Jerusalems in Rom gestorben, die Nachricht konnte ihn nicht rechtzeitig erreichen. Und von Dauer war der Sieg auch nicht. 200 Jahre später eroberten muslimische Heere die letzten Kreuzritter-Festungen im Heiligen Land zurück.
„Deus vult!“ Hat Gott all das gewollt? Diese Frage möchte ich an anderer Stelle beantworten und hier nur darauf hinweisen, dass auch heute Menschen zum Kreuzzug aufrufen:
„Deus Vult“ auf dem Unterarm von Pete Hegseth
Der Angriff begann gegen Morgen. Von allen Seiten griffen sie mit Luftschlägen an. Vor sich die zahlreichen Raketenstellungen des Landes. Lange hatte es gebraucht, bis es so weit war. Aber jetzt lag das Land den Angreifern vor Augen.
Die ersten Marschflugkörper erreichten ihre Ziele. Drohnen überflogen die Abwehrstellungen. Bomben schlugen ein. Was kurz darauf in einer Schule passierte, beschrieben Augenzeugen:
„Die Menschen aus den umliegenden Straßen und diejenigen, die es einrichten konnten, eilten herbei und versuchten, Kinder mitzunehmen … Die Schulleitung und Lehrer blieben, um die Kinder aus der Schule zu schaffen. Dabei wurden die meisten von ihnen getötet. Die Menschen konnten sich nicht vorstellen, dass eine Schule in der Stadt betroffen sein würde.“3https://www.amnesty.de/aktuell/iran-us-angriff-schule-kinder-getoetet-amnesty-recherche
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump hatte zur Operation Epic Fury, Epischer Zorn, aufgerufen. Nicht schwer fiel es, den Krieg zu begründen. Er tat dies in einer Rede an die Nation am 2. April 2026:
„Ihre Jagd nach einer Atombombe, eine Atomwaffe, wie sie noch niemand zuvor gesehen hatte. Das ist ihnen schon fast gelungen. Jahrelang haben alle gesagt, dass Iran keine Atomwaffen haben darf. Aber letztendlich sind das nur Worte, wenn man nicht bereit ist, zu handeln, wenn es darauf ankommt. Auch bei der konventionellen Bewaffnung der Iran äußerst gefährlich geworden. Zudem bauten sie rasch einen riesigen Bestand an konventionellen ballistischen Raketen auf und hätten bald über Raketen verfügt, die das US-Festland, Europa und praktisch jeden anderen Ort auf der Erde erreicht hätten.“4Donald Trump, Rede an die Nation, 2.4.2026, paraphrasiert nach dem Original: https://www.tagesschau.de/video/video-1571382.html
Im September 2025 hatte Trump das Department of Defense, das Verteidigungsministerium, in Department of War, Kriegsministerium, umbenannt; die website heißt jetzt schlicht war.gov.
Kriegsminister Pete Hegseth macht deutlich, worum es wirklich geht: „Keine dummen Einsatzregeln, kein Sumpf des Nation-Building, keine Demokratieübungen, keine politisch korrekten Kriege. Wir kämpfen, um zu gewinnen, und wir verschwenden weder Zeit noch Leben.“5zitiert nach: Carolin Amlinger | Oliver Nachtwey, Die Offenbarung des Pete, Die Zeit online, 7.3.2026, https://www.zeit.de/feuilleton/2026-03/us-kriegsministerium-pete-hegseth-iran-angriffskrieg-voelkerrecht
Und nicht nur Worte sind es, mit den Hegseth seine Botschaft verbreitet sondern auch die Bilder, die er auf seinem Körper eingebrannt hat. Neben anderen Symbolen ist da ein von Amokschützen verwendetes Sturmgewehr, das Jerusalemkreuz als Fahne der Kreuzritter für das Königreich Jerusalem und das arabische, islamophobe Wort „Kafir“, Ungläubiger.
Es bleibt nur zu hoffen, dass der Präsident und sein Kriegsminister, die das Ganze angezettelt haben, keine zehntausenden Toten zurücklassen, bevor das Abenteuer beendet ist, und dass es auf Dauer Frieden gibt.
Frieden, Schalom: Da möchte ich rufen: „Deus vult!“
