Henry Somerset, der 9. Duke of Beaufort, gibt an einem Nachmittag im Sommer 1873 in seinem Garten eine Party. Unter den Gästen sind auch einige britische Kolonialoffiziere. Sie haben ein Spiel aus der Kolonie mitgebracht. „Poona“ nennen sie es. Dazu brauchte man zwei einfache Schläger, einen Ball mit Federn und eine ausreichend große Rasenfläche. mehr …
Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759 – 1839) kannte das Spiel jedoch schon einhundert Jahre früher. Anders als bei den leistungsorientierten Engländer ist es für ihn kein Wettkampfsport sondern ein Spiel zur „Übung und Erholung des Körpers und des Geistes“.
„Die zu diesem Spiele gehörigen Instrumente sind allgemein bekannt und bey den Galanteriehändlern1Als Galanteriewaren [französisch galanterie = Liebenswürdigkeit] werden modische Accessoires und Gebrauchsgegenstände wie Fächer, Tücher, Schals, Parfümfläschchen, Puderdosen, Modeschmuck etc bezeichnet. zu haben; es ist daher keine umständliche Beschreibung nöthig …
Das Spiel bessteht bloss aus einem gesschickten Zuschlagen zwischen zwey oder mehr Personen, so dass der Ball unaufhörlich hin und her getrieben wird, bis er durch Versehen zum Fallen kommt. Wer diess am besten zu verhindern weiss, spielt am besten. Die Sache scheint beym Zusehen sehr leicht, es gehört aber mehr dazu als man glaubt, Ball, Rakette2französich raquette, englisch racket = Schläger und Hand immer in ein richtiges Verhältniss zu bringen, das in jedem Augenblicke völlig neu ist, weil der Ball immer in verschiedene Lagen kommt. Hierzu müssen die Bewegungen und Wendungen der Rakette, der Hand und des ganzen Körpers erst erfunden, und zwar sogleich auf der Stelle, erfunden werden, weil die Lage des Balls nur auf einen Augenblick dieselbe bleibt. Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet ist diess Spiel sehr vortrefflich als Uebung des Beobachtungsgeistes; aber es setzt auch den Körper auf eine heilsame Art in Bewegung und macht ihn durch unzählbare Biegungen und Wendungen geschickter. Im Freyen lässt es sich jedoch nur selten spielen, wegen des Luftzuges, aber desto besser in geräumigen und hohen Zimmern. Ich empfehle es vorzüglich auch dem weiblichen Geschlechte.“3Johann Christoph Friedrich GutsMuths, Spiele zur Uebung und Erholung des Körpers und Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden, 1796, 121.122.
