Hectors Reise

„Es war einmal ein junger Psychiater, der Hector hieß und mit sich nicht besonders zufrieden war.“ [7] Er war – für einen Psychiater – relativ erfolgreich und doch ermüdete ihn seine Arbeit, vor allem wenn Leute zu ihm kamen, die unglücklich und unzufrieden waren. Darum beschloss er eine Reise zu machen, auf der er verstehen lernen wollte, was die Menschen glücklich macht.

Hectors Freundin hieß Clara. „Hector und Clara liebten sich, aber sie hatten Mühe, sich gemeinsam etwas vorzunehmen. Sie hätten beispielsweise heiraten oder ein Baby bekommen können, aber mal war es Clara, die mehr Lust darauf hatte, mal war es Hector, und es kam praktisch nie vor, dass beide gleichzeitig große Lust hatten.“ [19] 

Hector hätte Clara gerne mit auf die Reise genommen, aber sie hatte keine Zeit. Vor der Abreise aßen sie aber noch einmal zusammen. Hector begann beim Essen mit seiner Suche nach dem Glück und fragte Clara: „‚Bist du eigentlich glücklich?‘ Clara legte ihr Gabel hin und blickte Hector an: Sie sah ganz betroffen aus und fragte ihn: ‚Willst du mich verlassen?’“ [21]

Hector konnte Clara beruhigen, und war erfreut, dass seine Suche nach dem Glück schon zwei Erkenntnisse zu Tage gefördert hatte: „Frauen sind ziemlich kompliziert … Und …: Wenn man die Leute fragt, ob sie glücklich sind, muss man sehr aufpassen.“ [22]

Dann reiste Hector los. Zuerst flog er nach China. Das Flugzeug war überbucht und er durfte statt in der economy class in der business class Platz nehmen. Er war sehr glücklich, diesen viel bequemeren Platz bekommen zu haben. Zudem wurde noch Champagner serviert. Bei seinem Sitznachbarn, er hieß Charles, wollte er seine Suche nach dem Glück fortsetzen, aber bei Clara hatte er gelernt, dass er mit direkten Fragen vorsichtig sein muss. Darum lobte er die komfortablen Sitze in der Hoffnung, dass Charles auch so zufrieden mit seinem Platz ist und sie dann über das Glück ins Gespräch kämen. Aber der brummt nur: „‚Pah, die lassen sich nicht so gut herunterklappen wie die in der first class.’ … Das machte Hektor nachdenklich. Charles und er saßen in absolut gleichen Sesseln und tranken den gleichen Champagner, aber all das machte Hector viel glücklicher.“ [26.27]

So hatte Hector wieder eine Lektion gelernt: „Vergleiche anzustellen, ist ein gutes Mittel, um sich sein Glück zu vermiesen.“ [27]

Noch viele solcher Erkenntnisse hatte Hector auf seiner Reise, viele Menschen lernte er kennen und viele Orte. Am Ende kehrt wieder dorthin zurück, woher er gekommen war: in seine Stadt, in seinen Beruf als Psychiater und vor allem zu Clara. „Aber seit seiner Reise liebte er seinen Beruf mehr als früher, und Clara liebte er auch mehr als früher … Und so heirateten Hector und Clara und lebten glücklich und zufrieden und bekamen einen kleinen Jungen, der Psychiater wurde, ganz wie sein Papa.“ [184.185]


selber lesen: François Lelord, Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück, 2004.


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